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Oswiecim - Gottes Tränen sprechen

Aktualisiert: 6. März 2019




Reisebericht: 05. - 10.08.2018

Eine lange Geschichte jüdischer Verfolgung - eine gestohlene Menora - 12 junge Leute - eine Vision. Am Sonntag starteten wir, die Visionsträger, unsere Polen-Reise bei sonnigen 35 Grad in Darmstadt. Wir nahmen am Israelsonntag bei den evangelischen Marienschwestern teil. Bei der Veranstaltung waren zwar nicht alle von uns da, dennoch stieß unser Vortrag über ReformaZion und unser Menora-Projekt auf sehr positives Feedback. Für alle, die nicht an dem Tag anwesend sein konnten:


70 Jahre nach Christus wurden die Tempelschätze aus Jerusalem von den Römern gestohlen. Damit begann die Verlagerung des Christentums von Jerusalem nach Rom und gleichzeitig bedeutete das auch der Beginn der Ersatztheologie. GOTT legte unserer kleinen Gruppe aufs Herz, „die gestohlene Menora“ wieder zurück zu bringen. Im April 2019 werden wir den Weg, den die Menora damals von Jerusalem nach Rom machte, zurückgehen, mit unserer Menora. Wir werden nicht den echten Leuchter mit uns haben, da niemand genau weiß, wo er sich befindet. Jedoch werden wir eine Menora anfertigen lassen, die kostbar und einen hohen symbolischen Wert haben wird. Sie soll Symbol dafür sein, das wir Christen uns bewusst sind, was für schreckliche Dinge wir den Juden während 1900 Jahren angetan haben und wir nun Buße dafür tun. Wir wollen den Juden wieder das zurückgeben, was rechtmäßig ihnen gehört.


Als Auftakt für dieses Projekt fuhren wir nach Oswiecim – besser bekannt als Auschwitz. Unsere Reise startete in Darmstadt. Im Erzgebirge machten wir einen Stopp und besuchten einen Bibelgarten, bis wir dann tags darauf in Polen ankamen. Es ist verständlich, dass die Einwohner vom hübschen Oswiecim es nicht gerne hören, wenn Leute zu dem Ort Auschwitz sagen. Den Namen haben die Deutschen dem Ort im 2. Weltkrieg gegeben und heute wird damit nur noch das Konzentrationslager in Verbindung gebracht.


Der zweite Tag brachte für uns bereits die ersten Tränen. Beim Besuch im Schindler Museum in Krakau erfuhren wir von verschiedensten jüdischen Schicksalen zu der Zeit. Wir verstanden langsam die Heldentaten Schindlers, als er tausenden Juden das Leben rettete, indem er ihnen Arbeit in seiner Fabrik gab. Oft weniger Glück hatten viele andere Juden im damaligen Juden-Ghetto. Die Bilder dazu werden wir so schnell nicht vergessen und als wir vor den Überresten der Ghettomauer standen, wurde unser Herz nur noch schwerer.






Auf dem Plan vom nächsten Tag stand dann der Besuch vom KZ Auschwitz und dem Vernichtungslager Birkenau. Wir beteten morgens, dass GOTT uns sein Herz zeigt in all dem… Wie soll Gott uns zeigen, was er über diesen schrecklichen Ort denkt? Was denkt ein Vater überhaupt über einen solchen Ort, wo sein Volk gequält, gefoltert, vergast und verbrennt wurde? Für uns nicht vorstellbar! Wir machten uns auf den Weg. Als erstes gingen wir zu Fuß vom KZ ins Vernichtungslager. Den Weg, den viele Juden auch gegangen sind. Als das Hauptgebäude von Birkenau sichtbar wurde, war das ein seltsamer Anblick. Wie war es damals für die Juden? Am Eingang trafen wir dann auch unseren polnischen Guide. Er führte uns zuerst in den Turm vom Hauptgebäude, in welchem wir einen Überblick über das Lager hatten.



Es ist riesen groß! Soweit das Auge reicht, die Zäune sind noch weit weg. Allein diese Tatsache war absolut verstörend. Wir schauten hinunter auf die Gleise, die tagtäglich bis zu 20.000 Menschen ins Lager brachten.


Während sich der Himmel zunehmend verdunkelte, gingen wir in die ersten Baracken. Eine war schlimmer als die andere. Da wo vorher 50 Pferde Platz hatten, teilten nun bis zu 400 Juden ihren Schlafplatz. Die satanische Führung seitens der Nazis wurde uns mehr und mehr bewusst. Wir alle waren herausgefordert. Die einen mit all den Eindrücken klar zu kommen, die anderen mit der Vergangenheit der Vorfahren. Und immer wieder die Frage: „Wie konnte GOTT das zulassen?“. In der Mitte des Lagers überquerten wir die Gleise, wo die Juden ausgeladen und aussortiert wurden. Von hier gingen wir fast auf direktem Weg nach ganz hinten – zu den Gaskammern. Wie viele Inhaftierte sind genau diesen Weg gelaufen? Es fing an zu regnen. Und dann standen wir da, am Eingang zur Gaskammer. Der Himmel war schwarz und es schüttete aus Kübeln. Gott ließ uns in diesem Moment seine Tränen spüren, wir waren patschnass. Doch es störte uns nicht, denn an diesem Punkt ist man nur froh, wenn man an dieser Treppe einfach vorbeigehen darf. Wir gingen zurück und verließen das Lager.



Auf der anderen Seite der Straße stiegen wir in den Bus, der Regen stoppte und da kamen auch schon die ersten Sonnenstrahlen durch. Wir fuhren die wenigen Kilometer zum KZ Auschwitz. Wir folgten unserem Guide zuerst durch die noch intakte Gaskammer, danach durch etliche Baracken, alles begleitet von Bildern und Geschichten wie man sie kaum fassen kann. Was für ein grausamer Ort, es gibt keinen Ausdruck dafür!





Wir wollten den Besuch mit dem Block 27 abschließen – die Juden-Baracke, in welcher sich die Liste der Namen aller deportierten Juden befindet. 6 von 10 Millionen europäischen Juden wurden grausam vernichtet, 2/3 davon in Auschwitz. Die Baracke wurde von Yad Vashem eingerichtet und ehrt alle in der Shoa verstobenen Juden. Wir saßen also vor dem Gebäude und warteten, denn nach drei Versuchen die Tür zu öffnen, gaben wir auf und fanden uns damit ab, dass die Juden-Baracke geschlossen war. Wir alle saßen da, beobachteten die vorbeigehenden Besucher und waren nach dem langen Tag in unsere Gedanken versunken. Plötzlich kam ein Polizist um die Ecke. Er kam direkt auf uns zu, bahnte sich den Weg zur Treppe, dann zur Tür und machte diese mit den Worten „Es ist offen!“ auf. Wir schauten uns fragend an, standen auf und gingen hinein. Der Polizist jedoch verschwand, wie er aufgetaucht ist – plötzlich. Später verstanden wir, dass Gott einfach wollte, dass wir die Baracke 27 sahen, auch wenn diese geschlossen war. Für ihn ist das ja kein Hindernis.




Der nächste Morgen startete mit der Nachricht, dass Israel beschossen wird und die Lage vergleichbar mit dem Gaza-Krieg 2014 ist. Nach Gesprächen und gemeinsamen Gebet machten wir uns auf den Weg zu Roman, dem Pastor der Shalom-Gemeinde in Israel, welche unter Anderem den Marsch der Lebenden organisiert, bei welchem tausende Menschen in Gedenken von Auschwitz nach Birkenau gehen. Anschließend besuchten wir den polnischen Sitz von Fountain of Tears. Rick, der Gründer der Stiftung, ist Steinmetz. Sein wohl bekanntestes Werk besteht aus sieben Stationen, in welchen die sieben letzten Worte von Jesus‘ Kreuzigung dargestellt sind. Unter dem in eine Wand gehauenen Jesus befindet sich stets ein KZ Insasse, der darauf in seiner Weise antwortet. Die letzte und eindrucksvollste Skulptur ist der auferstandene Retter mit dem Häftling in seinen Armen. Durch seine Kunst verbindet Rick das Leiden des jüdischen Messias mit dem Leiden der Millionen Juden während dem Holocaust. Er verbindet, was so noch nie jemand gewagt hat zusammen zu bringen. Es hat uns alle zum Nachdenken bewegt. Der Gedanke, dass Jesus nicht nur unsere Sünden getragen hat, sondern auch das Leid jedes einzelnen Gefangenen, ist kaum zu fassen. Durch seine Auferstehung ist er Sieger über Sünde und Sieger über alles Leid. Der Segen daraus fließt zu den Juden, aber auch in die ganze Welt. So ein Gedanke soll noch so manches Herz berühren.


Laura / Salome